Anja

Der kaukasische Kreidekreis

Lange ist es her, dass mir diese Parabel ins Gedächtnis gerufen wurde, doch jetzt besetzt sie meine Gedanken und ich erkenne, dass das Prinzip dahinter auch in meinem Leben allgegenwärtig ist. Ich bewundere Bertholt Brecht, wie er mit dieser einfachen, verständlichen Darstellung so viel ausdrückt, für die die es mit dem Herzen verstehen.

Zwei Frauen streiten sich um ein Kind, wer die wahre Mutter sei. Der Richter malt einen Kreidekreis, stellt das Kind hinein und spricht: Nur die wahre Mutter hat die Kraft das Kind aus dem Kreis zu ziehen. Beide beginnen zu ziehen. Während die eine Frau energisch und voller Kraft an dem Kind zieht, lässt die andere sofort los um dem Kind nicht weh zu tun und erweist sich damit als wahre Mutter.

Sie nimmt lieber den Verlust in Kauf, als dem Kind Schaden zuzufügen....

 ...meine Situation ist nicht damit zu vergleichen, dennoch ist sie ähnlich. Ich gebe Hoffnung auf, verzichte auf Liebe, die mir mit geöffnetem Herzen entgegengebracht wird, um mein Kind vor den Konsequenzen zu bewahren, die sich daraus ergeben würden, wenn ich all das zulassen würde. Ist das Aufopferung? Nein! Das ist "nur" ehrlich! Ich kann nicht behaupten, ich würde alles für mein Kind tun, würde dann aber nicht den Menschen töten, der versucht, mich davon abzuhalten, mein Kind aus einem brennenden Haus zu retten. Ich kann mich nicht hinstellen und das Glück meines Sohnes als das Wichtigste Gut preisen und mit der billigen Ausrede, dass auch er glücklich sei, wenn ich es bin, nach meinem eigenen Glück streben. Das wäre gelogen.

Dennoch, es zerreisst mich innerlich und die quälenden Fragen, die mich wieder verfolgen, lassen mich beinahe verzweifeln. Denke ich falsch? Mache ich wieder einen Fehler? Wird dieser Fehler Auswirkungen auf meinen Sohn haben? Verletze ich Menschen, die von meinem Herzen gesehen werden? Werde ich einsam und allein sein, irgendwann?

1 Kommentar Anja am 11.2.10 12:09, kommentieren

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Sehen

Meine Gedanken und Gefühle entblöße ich vor Dir, lange habe ich gebraucht, mich nie getraut. Ausgeliefert, hilflos, ratlos und bettel Dich an, fang mich auf in dieser Verletzlichkeit, doch Du siehst mich nicht, spürst nicht wie meine flehenden Gedanken versuchen, Deine Augen zu öffnen, öffnen für mich. SIEH MICH! Warum fragst Du nicht, warum lachst Du, wenn ich weine? Du siehst mich nicht! Stumme Schreie kann man nicht sehen. Ich erzähle Dir eine Geschichte von einer Frau, die tief verletzt, enttäuscht und einsam ist, aber Du siehst sie nicht, suchst Ausreden und triffst sie damit erneut mitten ins Herz. Ich will nicht glauben dass Du so eiskalt bist, kann nicht verstehen, dass Du mit Deinem Herzen nicht mehr sehen kannst. Konntest Du es jemals?

Wenn ich von Deinem Herzen nicht gesehen werde, erfriere ich...Mir ist kalt!

Anja am 19.1.10 01:56, kommentieren

Der Ausflug in die Vergangenheit...

war schön, war intensiv, war kurz und ließ mich den Freund verlieren... Nun gibt es kein Zurück mehr, kein Zurück zur Liebe und auch kein zurück zur Freundschaft... Erinnerungen werden nach und nach verdrängt und irgendwann unwirklich, so habe ich es immer getan, so werde ich es immer tun. Hass mich, es wird Dir helfen!

 

Ein Kuss zum Abschied!

 So Farewell my best friend!

Anja am 12.1.10 00:59, kommentieren

Wut

...ich bin wütend... auf mich selbst... wieder einmal und ich habe immer noch kein Ventil gefunden... außer Menschen, die sich wirklich für mich interessieren vor den Kopf zu stoßen und zu verletzen. Mein Trost ist die Traurigkeit dieser Menschen, so hole ich mir das Gefühl nicht allein zu sein. KRANK ist das!
Mein Motiv? Einsamkeit! Nein nicht Einsamkeit sondern das Gefühl von Einsamkeit. Einsam bin ich nun wirklich nicht. Im Gegenteil, es sind so viele Menschen um mich herum... und trotzdem ist es eiskalt in meiner Umgebung.
Und noch etwas beginne ich an mir zu hassen, lange wollte ich es nicht wahrhaben, doch immer öfter erhalte ich die Bestätigung dafür... mein Hang zur Selbstüberschätzung. Ich erschrecke immer öfter vor mir, dass ich in anmaßendem Übermut Dinge betrachte, die sich wenig später ganz anders darstellen. Und mit einer selbstverständlichen Arroganz gehe ich immer wieder davon aus, dass meine Ansicht die Richtige ist, bevor mich die Realität, dass nämlich genau das Gegenteil der Fall ist, mit voller Wucht trifft.
Die dunkle Jahreszeit hat begonnen, Zeit zur Besinnung und zum Nachdenken, über mich selbst über die Vergangenheit und die Zukunft. Diesmal will ich es schaffen! Ich muss raus aus meiner eingefahrenen Welt!

2 Kommentare courage-et-sentiment am 12.10.09 18:33, kommentieren

Macht und Schmerz

Was mag es für ein Gefühl sein Macht zu haben, Macht über einen anderen Menschen? Wie ist dieses Machtgefühl, dass man empfindet, wenn man jemanden vor sich sieht, der sich unterwirft. Macht auf der einen Seite setzt Schmerz, Demütigung und Aufgeben auf der anderen Seite voraus. Ich habe aufgegeben und kann es nun sehen und erleben dieses Machtgefühl. Ich kann es nicht beschreiben aber ich kann es fühlen. Noch kämpfe ich gegen den Schmerz an, doch ich spüre, auch hier werde ich unterliegen. Wo Macht ist wird sich die Macht mehren das war schon immer so und so wird es auch bleiben. Mitleid ist die gütigste Form von Macht auf die ich nun hoffen darf.

1 Kommentar Anja am 27.8.09 23:25, kommentieren

Nie wieder - ICH - ....

So langsam geht mir die Kraft und der Mut aus... Wieder einmal stehe ich ganz am Anfang. Ich kehre immer wieder zurück, zurück zu meinem alten ICH - egoistisch, verletzend, Ich-bezogen- ohne es zu bemerken...und jedes mal erschreckt es mich, wenn ich diese Erkenntnis erlange. Nie wollte ich so sein, wie ich bin, aber offensichtlich hat mich mein Leben in ein ICH gezwungen, aus dem ich nicht heraus kann. Ich weiss nicht warum das so ist, wo liegt der Grund, dass man scheinbar wie durch eine unsichtbare Hand geleitet, immer wieder den selben falschen Weg wählt, egal wie oft man sich zuversichtlich wieder zum Anfang zurückbegibt. Vielleicht ist der Weg auch ein Kreis und ich habe es nur noch nicht bemerkt ? Vielleicht muss es so sein, vielleicht ist es der Grundcharakter eines Menschen, den man einfach nicht ändern kann? Vielleicht ist es mein Talent, Menschen schlecht zu behandeln? Auf all diese Fragen habe ich keine Antwort. Jedoch quälen sie mich.

Ich habe auf einmal panische Angst, Menschen zu verletzen, jedes Wort, jeden Satz prüfe ich für mich dreimal, bevor ich ihn ausspreche oder schreibe, ich bin wie gelähmt. Ich möchte nicht wieder mit Erschrecken feststellen, dass ich keinen Schritt weiter bin und immernoch oder wieder am Anfang stehe, ich möchte nicht mehr zurückkehren!

Kennt Ihr diese Träume, in denen man vor etwas flüchtet, sich versucht zu verstecken und deswegen mal den rechten mal den linken Weg wählt um seine Spuren zu verwischen und dann wenn man sich vermeintlich in Sicherheit wähnt, dreht man sich um und ist genau wieder da, wo man losgelaufen ist.... ein Albtraum, ein wahrgewordener Albtraum!

Ich fliehe vor mir selbst und komme doch immer wieder bei mir an.

Unerträglich.

Anja am 23.7.09 16:03, kommentieren

Eine Kerze für unendliche Liebe...

...und nun brennt sie wieder meine Sternenkinderkerze... Immer wenn ich diese Kerze anzünden muss, gehen die selben Gedanken durch meinen Kopf... wie unerträglich muss der Schmerz sein, sein Kind zu verlieren, wenn allein schon die Vorstellung, dass meinem Sohn etwas zustoßen könnte, mir das Herz zerreisst. Und noch eines wird mir in diesem Moment schlagartig bewusst, es kann Jeden zu jeder Zeit treffen, jeden Moment kann hier das Telefon klingeln, jeden Moment jemand mit dieser grausigsten aller Nachrichten vor der Tür stehen und ich muss mich zusammenreissen, allein bei dem Gedanken nicht in Panik zu verfallen.

Wir können unsere Kinder nicht auf Schritt und Tritt beschützen, damit würden wir ihnen ihr Leben, ihre Individualität und ihre Freiheit nehmen. Und doch ist man versucht, alle Gefahren von seinem Kind abzuwenden. Diese Hilflosigkeit, genau zu wissen, dass einem das nie gelingen wird, bringt mein Mutterherz manchmal zur Verzweiflung. Ich muss ehrlich zugeben, hätte ich gewusst, was ein Kind in der Gefühlswelt ändert, welchen Spagat es zwischen unendlicher Liebe und Ängsten auslösen kann, ich hätte meinen Kinderwunsch auch einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet. Aber Gefühle kann man eben nicht vorher abschätzen, bevor man sie selbst erlebt hat.

Das Schicksal anderer zeigt einem immer wieder die eigene Verletzlichkeit auf, warum es einem in bestimmten Fällen näher geht, als in anderen Fällen habe ich noch nicht ergründen können.

Mein Herz ist heute so schwer. Liebe Martina, fassungslos habe ich vom Verlust Eures Sohnes erfahren. 7 Jahre durftet ihr Euren Sonnenschein durchs Leben begleiten. Euren Schmerz, dass er nun nicht mehr bei Euch sein darf, kann ich nicht einmal ansatzweise nachempfinden, es gibt keine Worte, die Euch jetzt trösten können. Lieber Luca, meine Kerze brennt heute nur für Dich und symbolisch für die unendliche Liebe einer Mutter zu ihrem Kind.

1 Kommentar Anja am 3.7.09 14:47, kommentieren