Die Katastrophe ist planbar...

... es ist wie in eine enge Parklücke einparken, man manövriert hin und her, vor und zurück, bis irgendwann gar nichts mehr geht...

Wenn ich mein eigenes Leben derzeit als Aussenstehende betrachten würde, würde ich wahrscheinlich kopfschüttelnd vor mir selbst davonlaufen! Was mach ich hier eigentlich? Wollte ich nicht Ordnung in mein Leben bringen? Sollte ich nicht endlich mal wissen, was ich will? Statt dessen laufe ich hin und her, mal drei Schritte vor und zwei wieder zurück, mal fünf Schritte vor dafür sieben wieder zurück und das mal ganz abgesehen von den Berg- und Talfahrten zwischendrin.

Ich hatte einen neuen Plan... einfach alles auf mich zukommen lassen und das Beste draus machen... ich kann das einfach nicht, obwohl ich nichts tue, fühle ich mich verantwortlich für das Handeln anderer... in dem einen Moment freue ich mich darüber und versuche es einfach zuzulassen und im nächsten Moment sehe ich die Katastrophe auf mich zurasen und will am liebsten sofort die Notbremse ziehen... Das hört sich jetzt vielleicht noch ganz normal an, aber dieser Zustand wechselt bei mir inzwischen täglich und ich bin so langsam am Ende, wieder mal, weil sich meine Gedanken und Gefühle überschlagen, sich überholen und es einfach nur noch ein einziges Wirrwarr ist. Und ich schaue weiter zu wie sich alles nur noch mehr verstrickt und es vielleicht irgendwann nicht mehr vor und zurück geht, zumindest nicht ohne erhebliche Beulen und Schrammen...

Und das schlimme für mich daran ist die Frage, warum fühl ich mich denn so? Mir müsste es gut gehen, ich habe so ein schlechtes Gewissen den Menschen gegenüber, denen es wirklich schlecht geht und die das tapfer durchstehen, ich weiss nicht warum ich das nicht (mehr) kann...

Ich hab versucht ein anderes Leben zu leben, es klappt nicht weil ich Angst habe vor dem neuen Leben und weil ich den Absprung aus dem alten nicht schaffe... Ich hab versucht in mein altes Leben zurückzukehren, auch das klappt nicht, weil ich so viel über mich über das Leben und über die Liebe erfahren habe, dass dort einfach kein Platz mehr für mich ist. Und nun? Offensichtlich ist diese Parklücke, die eigentlich MEIN LEBEN heisst nicht für mich bestimmt....

Anja am 5.5.09 14:40

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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


bummi (27.5.09 19:09)
Hallo Anna,
entschuldige, dass ich mit einem Schmunzeln beginne - ja man möchte meinen es ist schon ein Grinsen. Aber nicht, weil ich mich lustig machen wollte, nein, nein, das würde ich mir nicht erlauben - aber, das was ich da eben gelesen habe kommt mir so verdammt bekannt vor und mir ist, als ob es eben erst gewesen wäre, dass ich in einem ebensolchen Gefühls- und Gedankenwirrwahr gesteckt habe - doch dazu dann am Schluss noch eine kleine Bemerkung.
Weißt Du, das Ordnung schaffen in einem Leben, ob im eigenen, oder dem eines anderen ist (man möge mir den Vergleich verzeihen) wie einen längst überfälligen und überfüllten Schrank auf zu räumen und eben das ist nicht in 5 Minuten erledigt. Und bei genauerem Hinsehen, was sich in diesem Schrank über die Jahre alles angesammelt hat, lässt einen erschrecken, man möchte glauben man sei ein Messi geworden, nur eben sammelt man keinen Müll und Unrat, dafür aber jede Menge Erinnerungen, gute wie schlechte, Gefühle, Ängste, Verzweiflungen und zu guter letzt auch alle möglichen Vorsätze. Nun stell Dich vor Deinen Kleiderschrank öffne ihn und wirf weg, was Dir entgegenkommt - nach dem dritten Stück räumst Du den Müllsack wieder aus und beginnst den Schrankinhalt zu sortieren. Am Ende des Tages bist Du noch nicht einmal fertig mit dem Aussortieren, wie willst Du dann mit dem Aufräumen beginnen, oder gar fertig sein? Ich denke, dass Du verstehst wie ich das eben meine. Das was Du gerade durchlebst wird übermorgen nicht vorbei sein, das kann dauern,


bummi (27.5.09 19:10)
wie immer ich schreib zu viel ...... Teil II

nur mal nebenbei, bei mir hat es 20 Jahre gedauert. Lass Dir die Zeit, die Du meinst zu benötigen, denn Menschen, die Dich lieben, werden Dir diese Zeit gewähren. Verzweifle nicht an Deiner selbst – es ist ein sich fortwährend weiter entwickelnder Prozess, Ordnung in sein Leben zu bringen. Und verzage nicht daran, dass es Dinge gibt, die Du „früher“ konntest und plötzlich „nicht mehr kannst“ – das ist normal, das ist eine Gesetzmäßigkeit des Lebens, ein Evolutionsfragment, lernen, verlernen wieder erlernen. Man mag sicher kopfschüttelnd, ja schreiend davon laufen, würde man neben sich stehen und die ganze Sache von außen betrachten – ich habe das getan, ich bin in den tiefsten Wald, hab ein paar Minuten gewartet, dass auch ja Keiner in der Nähe war und dann habe ich geschrien, es löst zwar nicht das akute Problem, aber es bereitet den Weg und baut die innere Blockade ab, denn es löst die Spannungen in Dir. Hoffe ich konnte Dir ein klein wenig Mute machen. Das Leben ist ein Sammelsurium von Dingen, von denen man sich nicht so recht trennen kann/möchte/will, eben wie ein Schrank mit allem was man so besitzt, oder eben schlicht ein Kleiderschrank.
An diese Stelle will ich es belassen, denn ich glaube zu wissen, dass Du verstehst, wie das oben geschriebene zu verstehen ist – ich drück Dir die Daumen, man muss ja nicht alles entsorgen, aber eben den alten, belastenden Kram, der sollte schon Platz für neue, schöne Dinge machen. Ich weiß – leichter gesagt, als getan – Du schaffst das, weil es Menschen gibt, die an Dich glauben und in diesem Glauben liegt Deine Kraft.

LG Jürgen


Anja (29.5.09 14:33)
Lieber Jürgen, ich danke Dir für Deinen Kommentar, Du ahnst nicht wieviel Kraft mir das gibt... Ja diese verdammte Geduld, das war schon immer meine Schwäche... ich komme nicht damit klar, auf etwas zu warten, bei mir muss immer hier und jetzt und sofort alles geklärt werden... ich muss noch viel lernen, vor allem aber muss ich warten lernen und akzeptieren lernen, dass sich manche Dinge eben nicht gleich klären lassen, dass manche Dinge eben gerade Zeit brauchen, damit sie gut werden, eben wie ein guter Whiskey.
Glaub mir ich habe schon oft geschrien,ohne diese "Entladungen" wäre ich sicherlich schon irgendwo in Verwahrung gelandet, manchmal war ich innerlich so aufgewühlt, verwirrt und panisch, dass ich das Bedürfnis hatte gegen den nächsten Baum zu fahren, nur damit dieser Aufprall mal alles rauslässt...
Ich werde mir Deine Worte zu Herzen nehmen lieber Jürgen, ich weiss sie sehr zu schätzen und nebenbei bemerkt, finde ich es bemerkenswert, dass Du trotz Deines großen Verlustes und Deines Schmerzes, Kraft und Worte für mich findest. Ich danke Dir dafür von ganzem Herzen. Vielleicht können wir wieder ein bisschen mailen, ich habe mich nach der langen Pause einfach nicht mehr getraut, viele Mails habe ich begonnen und wieder glöscht, ich würde so gern wissen wie es Dir geht und mich wieder ein bisschen mit Dir austauschen.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, lieber Jürgen und bitte gib auch Du die Hoffnung nicht auf!

Alles liebe von Anja


bummi (29.5.09 18:52)
Liebe Anja,
Pausen, die länger als 3 Tage andauern sind schöpferische Pausen also trau Dich
LG Jürgen

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