Kinderwelt - Erwachsenenwelt

Heute hatte ich ein Erlebnis was mich zuerst verwundert, dann erstaunt und schließlich berührt hat. Gleichzeitig hat es mich dazu veranlasst einmal darüber nachzudenken, wie unkompliziert und natürlich Kinder, einfach mit dem Herzen sehend, auf Dinge reagieren, die Erwachsene beeinflusst von Verstand, Zweifel und Schubladendenken zu einer Wissenschaft, in diesem Fall beinah zu einem "Drama" erheben.

Nun zunächst einmal die Geschichte: Als ich heute Morgen mit meinem Sohn auf dem Spielplatz war, traf ich dort zufällig einen Papa mit seiner 6 jährigen Tochter. Nur drei Wochen zuvor, hatte ich nach 1 1/2 Jahren Prozess durch beinahe alle Instanzen für ihn das Umgangsrecht mit seiner Tochter erstritten. Während dieser Zeit hatten sich Vater und Tochter nicht einmal gesehen oder gesprochen. Zuvor bestand ein eher unregelmäßiger Kontakt. Ehrlich gesagt hatte selbst ich so meine Zweifel, als nach so langer Zeit ohne Kontakt unserem Antrag auf Umgangsrecht aller vierzehn Tage von Beginn an ohne die Mutter, stattgegeben wurde.


Doch als ich die beiden heute auf dem Spielplatz beobachtet habe, ging mir das Herz auf und diese Zweifel waren verflogen. Das Mädchen war so fröhlich und absolut unkompliziert im Umgang mit ihrem Papa, umarmte ihn, lachte mit ihm, spielte mit ihm. Ein Außenstehender wäre nie auf die Idee gekommen, dass dies erst der zweite Umgangskontakt nach 1 1/2 Jahren zwischen den Beiden war. Es war eher der Vater, der noch unsicher im Kontakt mit seiner Tochter war.

Offensichtlich nehmen Kinder tatsächlich Dinge so wie sie sind, sie grübeln nicht, ist es richtig oder falsch oder wie sollte ich mich in dieser oder jener Situation verhalten. Sie entscheiden noch nach Bauchgefühl und in diesem Fall hat wohl dieses Bauchgefühl gesagt: Hey das ist mein Papa, eineinhalb Jahre hin oder her!

Ja und ich stand mit einem Lächeln daneben, ich habe mich wirklich so für die beiden gefreut; über die dicken Akten und die zig Seiten gegenseitiger Vorwürfe und Anschuldigungen während des Prozesses darf ich allerdings nicht nachdenken, denn dann würde ich erkennen müssen, dass die komplizierte und verfahrene Erwachsenenwelt, der so natürlichen und unkomplizierten Kinderwelt einfach 1 1/2 Jahre gestohlen hat...

Anja am 19.7.08 18:57

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jürgen (Bummi) (25.7.08 09:13)
Liebe Anja,
habe eben Deinen Beitrag sehr aufmerksam gelesen, auch mir ging dabei das Herz auf, denn es ist mal eine Botschaft, die einem so richtig die Tränen in die Augen treibt -aber eben mal Freudentränen.
Wenn man liest, hört, sieht, wie doch Menschen, die sich einmal geliebt haben, sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen und vorwürfen ergießen, wie sie das Ende ihrer Liebe (was wohl immer und immer wieder vorkommt - und ich sehe darin nicht mal etwas verwerfliches, denn es ist nunmal so, dass auch Gefühle mal kalt werden können)nicht handhaben können und dann ihren "Krieg" auf dem Rücken der Unschuldigsten, der Wehrlosesten eben der Kinder meinen austragen zu müssen, dann kommen einem schon die Tränen der Wut und Verzweiflung. Eben aus diesem Grund ist das von Dir beschriebene Ereignis ein kleiner Schein am Horizont.
Es wäre so schön, wenn die Erwachsenen den Weg wieder fänden, zurück, in die unkomplizierte Sichteweise eines Kindes. Was würde uns alles erspart bleiben - Lügen, Intriegen und und und.....
Selbst wenn es Meinungsverschiedenheiten geben muß, so wissen wir doch alle, wie leicht eigentlich Kinder damit umgehen können und vorallem wie schnell und unkompliziert, ja beinahe bedingungslos, Kinder verzeihen können. Zugegeben auch nicht alles, aber eben all das, woraus Erwachsene ein Drama, oder gar einen Prozess machen.

Liebe Grüße
Jürgen

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